Kritik: Scannerpersönlichkeit Test von Anne Heintze (Open Mind Akademie)

Jetzt auf dem Prüfstand: der Scannerpersönlichkeitstest von Anne Heintze (Open Mind Akademie).

Hier handelt es sich eigentlich nur um eine Stichpunktliste, die man mit Ja, Nein, oder „lautem JA“ (an dieser Stelle ein stilles: „Häh?“) für sich beantworten soll.

Zusammen mit der Aussage, das man „Ja“ annehmen soll, wenn ein Punkt „zumindest teilweise“ zutrifft, wird man also aufgefordert, doch bitte bitte lieber „Ja“ zu sagen wenn irgend möglich. Mit freundlichen Grüßen an die autosuggestiven Fähigkeiten des Probanden – möge er doch bitte sogleich seinen Geldbeutel bereit halten!

Mit dieser Vorgabe gefüttert und mangelndem Argwohn ausgestattet, wird es dem geneigten Besucher leider allzu leicht fallen, sich als eben solch eine Scannerpersönlichkeit zu identifizieren. Vor allem weil die Auswahl der Stichpunkte durch gröbste Verallgemeinerungen besticht, die kaum jemand verneinen kann. Dazu kommt, das der Besucher sich die Ja/Nein Punkte selbst merken oder notieren muss, eine automatisierte (neutrale) Auswertung erfolgt nicht.

Die Stichpunkte gebe ich nur paraphrasiert wieder, da die Liste explizit mit Copyright Hinweis versehen ist (unnötigerweise, da das Copyright auch ohne den Hinweis ohne Einschränkungen greift, hier ist jemand paranoid). Jedoch bezweifle ich, dass diese Liste die dafür nötige Schöpfungshöhe für ein schützenswertes Werk überhaupt erreicht bzw. inwiefern sich die Liste qualitativ von Omas Einkaufsliste unterscheidet. Vielleicht ist der Copyright Hinweis auch nur deswegen gegeben, weil solch ein Hinweis die Liste als solches für den Laien „aufwertet“, gerade weil sie explizit als „schützenswert“ hervorgehoben wurde. Naja, wer drauf reinfällt ist ziemlich sicher ein Scanner.

In der Einleitung zur Prüfliste steht, das dies Merkmale für eine Scannerpersönlichkeit bzw. Vielbegabung sein sollen, die dem Besucher „einen sicheren Hinweis geben können“. Allein diese Formulierung ist schon vielversprechend. Schauen wir uns diese Merkmale mal genauer an:

  1. unstillbare Neugierde seit der Kindheit
  2. sehr breites Wissen
  3. Details weniger wichtig als großes Ganzes
  4. schnelle Begeisterung für neue Themen
  5. grundlegende Zusammenhänge schnell durchschauen
  6. sehr gute Beobachtungsgabe
  7. Probleme mit „Langweilern“
  8. kann sehr gut motivieren
  9. starke Intuition
  10. viel lesen (gleichzeitig, über unterschiedliche Themen)
  11. kritisches, unabhängiges Denken
  12. in Problemen aufgehen (wenn motiviert)
  13. möchte Routineaufgaben vermeiden
  14. mag höchst unterschiedliche Themen
  15. schon vielen Hobbies/Interessen nachgegangen
  16. gern unkonventionell, auffallend gekleidet
  17. unabhängiges arbeiten bevorzugt, speziell Probleme durchdenken
  18. mehrere Ziele auf einmal setzen
  19. sich als individuell empfinden
  20. Meinungen von Autoritäten werden für unwichtig befunden
  21. Konventionen und Traditionen kümmern wenig
  22. sprunghaft Interessen ändern
  23. Suche gleichartige Menschen
  24. gut einfühlen und motivieren
  25. auffallend hohes Energielevel (alle Ebenen!)
  26. Facettenreich (bez. als Chamäleon)

Wer sich ob solcher Allgemeinplätze an den Kopf fasst, braucht meine Begründungen eigentlich nicht mehr zu lesen. Sie sind so offensichtlich, das es schmerzt sich vorzustellen, jemand könnte diesem Test auch nur die geringste Bedeutung zumessen.

Dafür habe ich mich entschlossen, stellvertretend für die Allgemeinheit die Fragen der Wahrscheinlichkeit nach mit JA, Ja oder Nein zu beantworten.

  1. Unstillbare Neugierde – Kinder sind generell neugierig. Sich diese Neugierde bis heute zu erhalten, ist weder schwer noch so selten wie man das allgemein annehmen möchte. Der Punkt spielt auf ein Klischee an, den „Al Bundy“ unter uns. Sprich: die neophobe Persönlichkeit, von denen jeder sicher Exemplare kennt und garantiert nicht dazu zählen will. Ich nehme an, das niemand wirklich dieses Merkmal mit „Nein“ beantworten würde, außer man wäre selbst neophob. Aber dann wäre man wohl kaum auf dieser „neuen“ Webseite gelandet. (JA: 0 / Ja: 1 / Nein: 0)
  2. „Ich weiß, das ich nichts weiß“. Wissen ist ein weit gefasster Begriff, so schreibt Wikipedia: „Wissen umfasst eine große Anzahl verschiedenartiger Phänomene“. Wer würde nicht von sich behaupten, über viele verschiedene Phänomene Kenntnis zu haben? Na, irgendwer? (JA: 0 / Ja: 2 / Nein: 0)
  3. Details sind weniger wichtig als das große Ganze. Jedoch kann man im großen und Ganzen Scheitern, wenn man nicht auf Details achtet. Auch dieses Merkmal, sowohl „Details wie auch „das große Ganze“ lassen viel Raum für Interpretationen. Ich bin nachsichtig und vergebe mal ein Nein, da manch einer sicher Detailverliebt ist oder diesen Widerspruch (ein großes Ganzes besteht aus vielen Details) erkennt. (JA: 0 / Ja: 2 / Nein: 1)
  4. Schnell für neue Themen begeistern. Nun, ich bin sicher, das jeder beides kennt: ein Thema, dessen Begeisterung (Enthusiasmus) erst mit der Zeit kam, meist durch (erzwungene) Beschäftigung mit dem Thema. Jedoch, sobald man sich einem Thema aus eigenem Interesse nähert, wird man sich auch dafür begeistern. Sonst würde einen das Thema auch gar nicht weiter interessieren, oder? Und das man sich wenigstens einmal für ein neues Thema richtig begeistern konnte, das kann niemand leugnen. (JA: 0 / Ja: 3 / Nein: 1)
  5. Schnell Zusammenhänge durchschauen ist eine der Grundkompetenzen des Menschen. JA, verdammt! (JA: 1 / Ja: 3 / Nein: 1)
  6. Eine gute Beobachtungsgabe hat sicher jeder. Und wie bei so vielen Punkten stellt sich die Frage nach der Definition – was soll gut beobachtet sein? Und inwiefern unterscheidet sich das vom vorigen Punkt? Gute Beobachtungsgabe und Zusammenhänge durchschauen bauen aufeinander auf. Beispiele dafür wird jeder sofort in sich finden. Also tippe ich ein dickes JA ein. (JA: 2 / Ja: 3 / Nein: 1)
  7. Probleme mit „langweiligen“ Menschen hat sicher jeder. Was hier unter Problem zu verstehen sein soll, bleibt dem Besucher überlassen. Da hier die Konnotation und der Kontext nahe legt, das mit Problem eher die persönliche Abneigung gemeint ist („Alder, hast du Problem mit mir oder was?“), und „langweilige“ Menschen sowieso Antipathien wecken, kann ich gar nicht anders als diesen Punkt mit einem fetten JA zu bewerten. (JA: 3 / Ja: 3 / Nein: 1)
  8. Kann sehr gut motivieren. Ich werte hier einfach mal mit Nein, weil man nicht mit Fug und Recht behaupten kann, das dieser Punkt auf jeden zutrifft. Mir scheint, als wäre dieses Merkmal ebenso wie Punkt 3 eingefügt, um die Liste nicht vollständig mit rein positiven Suggestionen zu bestücken. (JA: 3 / Ja: 3 / Nein: 2)
  9. Starke Intuition. Intuition an sich ist die Fähigkeit, ohne Gebrauch des Verstands zu einer (gültigen) Einsicht zu gelangen. Stark als Adjektiv ist an dieser Stelle seltsam, da man sicher nicht stark intuitiv sondern höchstens häufig oder sehr treffsicher intuitiv handeln kann. Eher ein Ja. (JA: 3 / Ja: 4 / Nein: 2)
  10. Viel lesen. Und dazu noch gleichzeitig, über verschiedene Themen. Wäre das Internet nicht erfunden, es wäre sicher für die wenigsten zutreffend. Jedoch werden wir uns heute häufig über viele Dinge gleichzeitig informieren. Da lesen wir offline ein Buch, haben ein Magazin auf dem Tablet abonniert, lesen über tagesaktuelle Themen online und recherchieren auf Wikipedia nach einem Wort, dessen genaue Definition sich uns bislang entzog. Ich gehe davon aus, das die meisten, die auf dem Weg der Nachforschung zu dem Test gelangt sind, diesem Punkt zustimmen werden.  (JA: 3 / Ja: 5 / Nein: 2)
  11. Kritisches, unabhängiges Denken. JA! Noch nicht einmal die DDR hat es geschafft, diese Eigenschaft des Menschen völlig zu unterdrücken. Also wer das nicht kräftig bejaht, den sollte man vielleicht mal genauer überwachen. Zumal man gar nicht abhängig Denken kann, das wäre ja kein Denken mehr. Ebenso ist die kritische Auseinandersetzung mit Sachverhalten eine Grundeigenschaft des Denkens. Im übrigen halten sich besonders die Dümmsten für die kritischsten Denker. Siehe: Verschwörungstheoretiker. (JA: 4 / Ja: 5 / Nein: 2)
  12. In Problemen aufgehen kann der Scanner, aber nur, wenn er motiviert ist. Diese Anmerkung mit der Motivation ist seltsam, denn ohne Motivation kann man ohnehin nicht in einem Problem aufgehen. Das wäre dann eher ein Automatismus, den man lethargisch durchlebt. Etwa so, wie manche Auto fahren. Interessant ist hier, das das „in einem Problem aufgehen“ der Definition von Barbara Sher widerspricht! Sher klammert explizit solche Menschen als Scanner aus, welche sich in ein Thema sehr vertiefen können! Da man aber immer, wenn man motiviert ist, auch in Problemen aufgehen kann, werte ich mit einem einfachen Ja. (JA: 4 / Ja: 6 / Nein: 2)
  13. Der Scanner möchte Routineaufgaben vermeiden. Nicht nur der Scanner! Mein lieber Schwan, das ist ganz offensichtlich ein dickes JA für jedermann. Uff. Aua. (JA: 5 / Ja: 6 / Nein: 2)
  14. Mag höchst unterschiedliche Themen. Hmmm … da ich aus meiner Erfahrung mit den wenigen, extrem fokussierten Menschen weiß, das sie auch neben ihrer fokussierten Tätigkeit durchaus auch andere Dinge wert schätzen (gutes Essen, Fahrradtouren, Fantasy Romane, Theater, etc), kann ich sicher mit Fug und Recht behaupten, das hier ein Ja fällig ist. Für viele sogar ein dickes JA, aber ich bin in meiner Einschätzung lieber etwas konservativ. (JA: 5 / Ja: 7 / Nein: 2)
  15. Bereits vielen Hobbies und Interessen nachgegangen. Also wenn man Punkt 14 bejaht und das essentiell dasselbe Merkmal ist, gilt auch hier ein Ja als gesetzt. (JA: 5 / Ja: 8 / Nein: 2)
  16. Unkonventionell, auffallend kleidet sich nicht jeder. Ich nehme hier ein Nein an, will aber anmerken, das dieser Punkt wie zuvor Nummer 3 und 8 wohl lediglich der Balance hin zum Nein dient. Eine Aussage über die Persönlichkeit eines Menschen anhand seiner auffälligen Kleidung kann man nun wahrlich nicht treffen – manchmal ist das Rebellion, mal ist es politisch motiviert, mal will man damit seinen neuen Lebensabschnitt veräußerlichen, oder man muss halt berufsbedingt mit Hemd, maßgeschneidertem Anzug, Krawatte und Nadelstreifenhose rumlaufen. Und manch einer, tja, der hat einfach keinen Geschmack. Also nichts, das explizit auf Scanner beschränkt sein kann, daher: Nein. (JA: 5 / Ja: 8 / Nein: 3)
  17. Unabhängiges arbeiten wird bevorzugt. Wer das Vergnügen hat, wird das bejahen. Wer einen Chef hat, der einem alles vorkaut und jede Entscheidung absegnen muss, wird sich mehr Unabhängigkeit wünschen und dies ebenso bejahen. Sicher gibt es auch echte Teamworker, die nur im Team gut funktionieren. Wenn ich aber meine Erfahrung heranziehe, dann stelle ich fest, das in einem gut funktionierenden Team die Unabhängigkeit groß geschrieben wird. Es geht nicht um das alleine arbeiten, sondern weitgehend selbstbestimmt die Arbeit zu gestalten. Daher komme ich um eine Ja Wertung nicht herum. (JA: 5 / Ja: 9 / Nein: 3)
  18. Mehrere Ziele auf einmal setzen. Was soll man darunter verstehen? Hier geht es nicht um die Gleichzeitigkeit, sondern eher um eine zeitliche Abfolge: 1) Dokument WN-ZRA-3 Abgabe bis 17 Uhr 2) rechtzeitig um 18:30 zum Abendessen zuhause sein 3) Dann gleich in die Kiste (maximal ein Quickie), da morgen früh um 7:00 Termin mit Kunde. Weitere Beispiele aufzuführen wäre müssig. Wenn man sich genau hinterfrägt, wird man immer feststellen, das man mehrere Ziele auf einmal verfolgt. Solche, die sich ergänzen, und solche, die sich gegenseitig ausschliessen und in zeitliche Harmonie gebracht werden wollen. Ich bin aber zurückhaltend und werte das „nur“ als ein Ja, weil das Merkmal zuviel Interpretationsspielraum lässt. (JA: 5 / Ja: 10 / Nein: 3)
  19. Sich als individuell empfinden? Nein, das können doch nur Punker!! Ja gut, und die Tekknos halt. Ach, und die Homos. Naja, die meisten Esoteriker halten sich auch für Hochindividuell. Auch der Hans-Peter von nebenan hat inzwischen das Hakenkreuz an seiner Tür durch ein Peace Zeichen ersetzt. Jetzt aber im Ernst: JA verdammt! Und: es tut so weh, anzunehmen, das könnte jemand ernsthaft verneinen. (JA: 6 / Ja: 10 / Nein: 3)
  20. Meinungen von Autoritäten sind unwichtig. Wow, rekapitulieren wir hier erneut den vorangegangenen Punkt oder was? Gut, vielleicht wird manch ein braver Mensch denken: „also so dumm können die Autoritäten nicht sein, wenn sie es bis in diese Position geschafft haben“. Was auch kein verkehrter Gedanke wäre. Da ich sonst so selten dazu komme, werte ich also mal vorsichtig mit Nein. (JA: 6 / Ja: 10 / Nein: 4)
  21. Nicht um Konventionen und Traditionen kümmern. Auch hier treffen sich wieder die zwei vorangegangenen Punkte. Ich behaupte, jeder wird sich erinnern können, wie er oder sie mal gegen Konventionen oder Traditionen verstossen hat. Definitiv ein Ja. (JA: 6 / Ja: 11 / Nein: 4)
  22. Schnell und unerwartet (sprunghaft) seine Interessen ändern, kann jeder. Wird auch jeder mehr als einmal gemacht haben. Wir alle kennen dieses Szenario: wir vergucken uns in ein Thema. Besorgen uns Informationen und Material. Machen erste Gehversuche und sind entweder ernüchtert und geben die Sache wieder auf, oder: es ergibt sich zufällig eine noch wahnsinnigere, interessante Gelegenheit, sich für etwas anderes zu begeistern. Quasi wie das etwas wackelig verlaufende erste Date mit einer „8“ Person, in das die glatte „10“ in Form der Jugendliebe reinplatzt, und frägt, ob er/sie die nächsten Tage bei einem übernachten könne. Ich denke aber ein einfaches Ja genügt hier. (JA: 6 / Ja: 12 / Nein: 4)
  23. Auf der Suche nach gleichartigen Menschen, das ist so alt wie die Menschheit selbst. Natürlich such jeder nach gleichartigen Menschen! Die finden sich und zünden dann Flüchtlingsunterkünfte an. Selbst, wer nicht aktiv nach gleichartigen Menschen sucht, wünscht sich doch wenigstens insgeheim, sie zu finden oder zu kennen. Ich schüttele meinen Kopf und heraus fällt ein fettes JA! (JA: 7 / Ja: 12 / Nein: 4)
  24. Gut in andere einfühlen und motivieren kann sicher nicht jeder. Interessant, das das der gleiche Punkt wie Nummer 8 ist, welches ebenfalls in die Kategorie „Nein-Balance“ fällt. Also auch hier: Nein. Weil der Test nicht gar zu eindeutig sein will. (JA: 7 / Ja: 12 / Nein: 5)
  25. Ein auffallend hohes Energielevel auf allen Ebenen. Die Ebenen heben die Energien vermeintlich in esoterische Sphären, aber ich bleibe mal argumentativ auf dem Boden und deute es dahingehend, das man so etwas wie eine treibende Kraft ist mit großer Ausdauer in allen Bereichen. Ich tendiere dazu, das das nicht jeder von sich mit Fug und Recht behaupten kann, also nein. (JA: 7 / Ja: 12 / Nein: 6)
  26. Viele Facetten haben ist ähnlich banal wie Nummer 19: sich als individuell empfinden. Da das Merkmal aber seltsamerweise einschliesst, das man als „Chamäleon“ bezeichnet wurde, bin ich konservativ und sage nur deswegen nochmal nein. (JA: 7 / Ja: 12 / Nein: 7)

Kommen wir zur Auswertung: der durchschnittliche Proband dieses Tests wird also etwa 19 mal Ja sagen wohingegen etwa 7 Nein Stimmen stehen. Wenn das schon nicht eindeutig war, sind etwa die Hälfte der Ja Stimmen mit an Sicherheit grenzender Hochempfindlichkeit auch noch dicke, fette „JA!„.

Was heißt das nun?

Glückwunsch! Sie haben diesen komplett sinnbefreiten Scannerpersönlichkeits-Test erfolgreich bestanden. Sie sollten nun Ihre Kreditkarte bereit halten.

Vielleicht haben Sie nun so ein Gefühl von Zugehörigkeit entwickelt, da sie doch nach diesem Test zweifelsohne eine Scannerpersönlichkeit sein müssen? Laut Frau Heintze ist das schließlich das einzig wichtige an diesem Test:

Das einzige was wichtig ist, ist das du das Gefühl von Zugehörigkeit hast.

Das ist so banal, und fast schon nicht mehr suggestiv, das ich das einfach so stehen lassen kann. Hier gibts jedenfalls keine neuen Erkenntnisse zu gewinnen. Es sei denn, man ist noch nie einem Bauernfänger auf den Leim gegangen. Das kann sogar dem überzeugtesten Scanner passieren!

Um zu verstehen, wie die in diesem Test verwendeten Allgemeinsätze zwangsläufig ein positives Urteil ergeben, aber diese Erkenntnis jedoch alles andere als bahnbrechend oder „Stein vom Herzen fallend“ ist, empfehle ich die z.B. Seite Egomanie.com – dort wird ausführlich über die suggestiven Techniken von Mentalisten berichtet – die nutzen eben solche Allgemeinsätze. Dann merkt man schnell, wie leicht solche allgemeinen Aussagen uns eine Zustimmung abringen können, weil sie von vornherein auf Zustimmung formuliert sind!

Kritik: Scannerpersönlichkeits-Test von John Williams (Screw Work Let’s Play)

John Williams, Autor des Buchs „Screw Work Let’s Play“ hat ebenfalls einen „Scannerpersönlichkeits-Test“ veröffentlicht. Allerdings auf englisch. Weil der „Test“ so einfach ist, zitiere ich in mal und paraphrasiere ihn anschließend ins Deutsche:

  1. You have creative ideas all the time, whether it’s for a book, a TV show, an art project, a website, a business, starting a movement, creating a brand, or writing a bestseller
  2. You love to learn about new subjects and ideas and then quickly move on to something else
  3. You have loads of seemingly unrelated interests
  4. Trying to choose between all your ideas, interests and projects stresses you out
  5. The thought of concentrating on one single topic for the rest of your life horrifies you
  6. You start lots of projects but don’t always finish them before you get into something else

If you can say yes to two or more of these qualities, then you are a scanner!

Man muss also nur zwei von sechs Punkten mit Ja beantworten, dann ist man definitiv ein Scanner. Erstaunlich. Und eine Aussage, die man im deutschen Sprachraum so nicht finden wird. Das Heilmittelwerbegesetz verbietet nämlich Veröffentlichungen, die zu Selbstdiagnosen verleiten könnten.

Ins Deutsche übertragen lassen sich die sechs Punkte wie folgt aufs wesentliche reduzieren:

  1. Du hast ständig kreative Ideen aller Art.
  2. Du liebst es, Neues zu lernen, und dann schnell etwas anderes zu machen.
  3. Du hast viele, scheinbar unzusammenhängende Interessen.
  4. Dich zwischen all deinen Ideen, Interessen und Projekten entscheiden zu müssen löst bei dir Stress aus.
  5. Der Gedanke, dich für den Rest deines Lebens auf ein einziges Thema zu konzentrieren, findest du entsetzlich.
  6. Du fängst eine Menge Projekte an aber du beendest sie nicht immer, bevor du dich mit etwas Neuem befasst.

Schon bei entfernter Betrachtung dürfte offenbar werden, das wohl kaum ein Leser nicht wenigstens zwei zutreffende Merkmale findet. Hier wird besonders deutlich, wie schwammig und gleichzeitig allgemeingültig die Definition von Scannerpersönlichkeit ist, wenn man sie auf Ihre wesentlichen Merkmale herunterbricht, wie in diesem Test geschehen. Man muss schon sehr arglos sein, wenn man diesem Test auch nur die geringste Bedeutung beimisst.

Zur Einzelkritik:

  1. Kreative Ideen hat sicher jeder. Das man sie ständig (also immer wiederkehrend) hat, wird wohl auch kaum einer für sich bezweifeln. Bleibt also die Frage nach der Kreativität, und wie man Ideen als mehr oder weniger kreativ beurteilen soll? Ich denke, die meisten stellen sich darunter ungewöhnliche Lösungswege oder etwas von der Normalität entrücktes, verdrehtes, künstlerisches vor. Spontan würde hier wohl jeder Ja sagen. (Ja: 1, Nein: 0)
  2. Etwas Neues Lernen lieben doch viele. Inwieweit das „schnell etwas anderes machen“ da reinspielt und welche Bedeutung das haben soll, erschließt sich mir nicht. Solange man das Lernen liebt, wird man wohl weiter lernen. Wenn ein anderer Reiz dazukommt, der stärker als das „Neues Lernen“ ist, oder vielleicht selber einfach „etwas anderes Neues Lernen“ darstellt, dann wird man das andere machen. Ob und wie schnell man den Wechsel vollziehen muss, bleibt offen. Es kann augenblicklich sein, oder sich 4 Wochen mit neuem befassen um von einem Tag auf den anderen etwas neues anzufangen. Persönliche Beispiele dafür zu finden, dürfte jedem leicht fallen. (Ja: 2, Nein: 0)
  3. Viele unzusammenhängende Interessen. Wie viel sind viele? Viel ist quantitativ nicht erfassbar, daher subjektive Auslegungssache. Ich konnte bislang bei jedem Menschen, den man genauer kennen lernt, vielseitige Interessen feststellen. Es sollte sich also für praktische jeden ein klares Ja ergeben. Ich persönlich? Spiele, Programmierung, Astronomie, Chemie, Technik, Naturgewalten, Esoterik-Kritik, Gedichte, Modelleisenbahn. Dabei würden mich wohl andere eher einseitige als Programmierer und Spieler bezeichnen – die Hauptmerkmale. Sprich: dieser Punkt lebt gerade davon, das wir anderen Menschen diese Vielfältigkeit, die uns allen inne wohnt, gar nicht zusprechen. Klares Ja! (Ja: 3, Nein: 0)
  4. Sich entscheiden müssen, noch dazu zwischen Dingen, die man alle gerne tun möchte, fällt vielen schwer. Inwieweit das Stress auslöst bleibt dem subjektiven Empfinden überlassen. Wer sensibel ist oder sich dafür hält, wird hier eher Ja sagen als jemand, der mit Gelassenheit der Welt gegenüber steht. Ich tippe auf ein Nein. (Ja: 3, Nein: 1)
  5. Sich für den Rest des Lebens auf eine Sache festlegen? Sehr lustig, niemand mag das. Vor allem ist es ein Gedankenspiel, das so niemals nie eintreten wird. Der Gedanke ist jedem ein ganz natürlicher Graus. Klares Ja! (Ja: 4, Nein: 1)
  6. Sicher kennt jeder Beispiele, wo er/sie ein neues Projekt angefangen aber nicht beendet hat, weil etwas anderes, wichtigeres, dringenderes, aufregenderes dazwischen kam. Und mit Sicherheit kennt man auch dieses schlechte Gewissen, das nagende Gefühl, wenn man ein solches Projekt mit großen Enthusiasmus anfängt aber dann doch nicht zu Ende bringt. Vor allem, wenn so etwas häufiger passiert. Ich erwähne das, weil dies eines der Hauptprobleme von Scannerpersönlichkeiten sein soll. Auch wenn es in Williams‘ Liste gar nicht erwähnt wird, es läuft letztlich darauf hinaus. Vermeintliche Scannerpersönlichkeiten suchen in erster Linie nach einer Begründung für die Tatsache, das sie nicht alles zu Ende bringen. Meine Antwort: das ist vollkommen menschlich und ziemlich normal. Diese Projektabbrüche, aus welchen Gründen auch immer, wird man sowohl bei fahrigen wie gut organisierten, fokussierten Persönlichkeiten finden. Klares Ja! (Ja: 5, Nein: 1)

Mit einem Ergebnis von 5:1 Ja Stimmen wäre ich (und Sie sicher auch) definitiv eine Scannerpersönlichkeit!

Allein daran erkennt man schon sehr, sehr deutlich wie viel die Definition Scannerpersönlichkeit der Psychologie bzw. allgemein der Menschheit beizutragen hat: gar nichts.

Und wenn das als Aussage nicht genügt, der vergleiche doch obigen Quatschtest der Marke „Welcher Star Wars Charakter bin ich?“ mit einem „echten“ Persönlichkeits-Schnelltest (16PF, englisch), der aber letztlich auch nur eine grobe Aufteilung von Persönlichkeitsmerkmalen zulässt. Mit Sicherheit nichts definitives.

Kritik: Hochsensibilität / HSP Test von zartbesaitet.net

Folgenden HSP Test von dem Verein zur Förderung hochsensibler Menschen (zartbesaitet.net) möchte ich heute genauer unter die Lupe nehmen. Es handelt sich um einen multiple-choice Test mit 29 Fragen die man auf einer Skala von 1 (—) bis 7 (+++) bewerten soll – von „nein, überhaupt nicht“ bis zu „ja, sehr!“.

Im Test sind nur 28 Fragen relevant für die Auswertung. Warum man die letzte Frage überhaupt in den Test mit aufgenommen hat, ist mir nicht ersichtlich. Zumal diese Frage nach der Zufriedenheit im Beruf in keinem eindeutigen Zusammenhang mit Hochsensibilität steht. Genausowenig die Frage nach dem Alter und dem Geschlecht.

Auffallend bei diesem HSP Test ist die Präkonditionierung des Probanden. Zum einen wird es Menschen, die die Diagnose HSP suchen, leicht gemacht, diese zu finden. Es ist durch die Symbolik (+++) intuitiv ersichtlich, dass  durch mehr „positive“ Wertungen auch das Testurteil mit höherer Wahrscheinlichkeit das Resultat „hochsensibel“ ausspucken wird.

Was der Test im übrigen schon ab einer geringen Punktzahl auch tut. Genauer gesagt: gibt man überall eine 4 an, also „halb-halb, weiß nicht“, dann erhält man schon 168 Punkte und liegt über den 163 Punkten, die vermeintlich den Beginn der Hochsensibilität markiert. Diese Normierung ist schon höchst dubios! Selbst wer alle Punkte nicht weiss, ist bereits ein klein wenig HSP.

Durch die Präkonditionierung disqualifiziert sich der Test schon im Vornherein, selbst für einen Schnelltest kann das Ergebnis in keinster Weise verwertbar sein. Es ist auch leicht nachvollziehbar, das sehr viele Punkte von den meisten Menschen mit einer überdurchschnittlichen Wertung (5-7) bewertet werden dürften. Demzufolge läuft das Ergebnis fast zwangsläufig auf eine HSP „Diagnose“ hinaus.

Hinweis: Erst im Nachhinein erfuhr ich, das es sich bei diesem Test um eine übersetzte Version der Fragen des HSP Tests von Elaine Aron handelt, welcher ihrer wissenschaftlichen Arbeit entspringt. Die abschliessenden Bewertungen stammen jedoch nicht von Elaine Aron. Da ich nicht geprüft habe, inwieweit die Übersetzung fachlich korrekt und neutral in der Wertung ist, kann meine Kritik an dem zartbesaitet.net HSP Test nicht direkt auf den englischen HSP Test von Aron erweitert werden. Aron selbst macht in ihren Anmerkungen zurecht deutlich, das einige Merkmale des Tests mit Vorsicht zu geniessen sind. Die Auswertungen von zartbesaitet.net sind jedoch nicht aus Arons Arbeit abgeleitet und somit der Schlüssel zur suggestiven Ausrichtung dieses HSP Tests von zartbesaitet.net.

Das der Test von E. Aron ist zeichnet im übrigen kein gutes Bild über ihre wissenschaftliche Arbeit. Sie relativiert zwar die Wirksamkeit des Tests, aber tut dies nur oberflächlich. Als Wissenschaftlerin müsste sie eigentlich ein vernichtendes Urteil über ihren eigenen Test fällen und sich dafür schämen.

Nun zu den einzelnen Merkmalen:

  1. Stimmungen anderer Menschen beeinflussen mich
  2. Sich in Beziehungen dem Partner stärker verbunden fühlen als das es der Partner tut
  3. Sich zurückziehen wollen an Tagen, an denen viel los ist
  4. meine, schmerzempfindlich zu sein
  5. intensive Außenreize (Licht, Gerüche, Sirenen) überwältigen mich leicht
  6. habe ein reiches, vielschichtiges Innenleben
  7. guter Zuhörer: Menschen kommen mit ihren Problemen zu mir
  8. bin gewissenhaft
  9. es bringt mich durcheinander, wenn in kurzer Zeit viel zu erledigen ist
  10. erschrecke leicht
  11. mir ist es wichtig, aufregende oder überfordernde Situationen (Überstimulation) möglichst zu vermeiden
  12. tief bewegt durch Kunst, Musik oder Naturstimmungen
  13. bemerke und genieße zarte, feine Gerüche, Geschmäcker, Klänge, Kunstwerke
  14. Lärm ist mir unangenehm
  15. regt mich unangenehm auf, wenn rund um mich sehr viel vor sich geht (Trubel)
  16. bemerke mehr Feinheiten in meinem Umfeld als die meisten Menschen
  17. scheine eher naiv zu sein, nehme Scherze für bare Münze
  18. gelegentliche Phasen von „Weltschmerz“, gewohnte oder banale Tatsachen machen sehr traurig
  19. finde es lästig, wenn gleichzeitig verschiedenste Dinge von mir verlangt werden
  20. strenge mich an, keine Fehler zu machen, nichts zu vergessen
  21. Hunger hat starke Auswirkungen auf meine Konzentrationsfähigkeit oder Laune
  22. wichtig, aufregende oder überfordernde Situationen zu vermeiden
  23. Veränderungen im Leben bringen mich durcheinander
  24. unter Beobachtung oder Wettbewerb nervös werden, dadurch schlechtere Leistungen bringen
  25. Als Kind dürften mich meine Eltern oder Lehrer für scheu oder sensibel gehalten haben
  26. träume oft bunt und intensiv
  27. Mein Traumleben ist mir wertvoll
  28. Harmonie ist mir wichtig; Rückzug bei Konflikten
  29. mit beruflichen Situation glücklich und zufrieden

Stellvertretend für den Leser werde ich den Test ernst nehmen, und die Wertungen nach meinem persönlichen Empfinden abgeben.

  1. Stimmungen anderer beeinflussen mich? Ich wüsste niemand, den das kalt lässt und hier 1-3 werten könnte. Nicht einmal Nicht-HSP. Es kommt natürlich immer auf die Person an. Ob der Busfahrer mies drauf ist, beeinflusst mich weitaus weniger, als die Stimmung meines Partners. Ich persönlich denke also an Personen, die ich persönlich gut kenne und schätze, und tippe daher eine 6.
  2. Sich in Beziehungen dem anderen stärker verbunden fühlen als das umgekehrt der Fall ist. Ich vermute, das dieser Eindruck ebenso weit verbreitet wie er falsch ist. Der Eindruck ist aber auf jeden Fall völlig subjektiv. Und (Achtung: Klischee) wird vermutlich von Frauen wesentlich höher bewertet als von Männern. Was sicher nicht zuletzt daran liegt, das es Männer mit dem „Gefühle ausdrücken“ nicht so haben (ebenso: Klischee). Persönlich bei mir auch eine 6.
  3. Sich zurückziehen wollen, wenn viel los ist. Nach dem Partyabend ist sicher jeder froh um die Ruhe, egal wie schön das war. Bei mir eine 7, Gruppen ab vier Personen aufwärts empfinde ich mit zunehmender Dauer und exponentiell mit dem Anstieg der Beteiligten Personen als sehr anstrengend und ermüdend.
  4. Scheine schmerzempfindlich zu sein. Wieso scheinen? Man sollte schließlich bewerten, ob man schmerzempfindlich ist, nicht ob man nur so scheint als ob. Durch das „scheinen“ wird es suggestiv, weil es bestärkt einen, eine höhere Wertung abzugeben, wenn die Schmerzempfindlichkeit auch nur den Anschein hat, erhöht zu sein. Ich empfinde vermutlich Schmerzen vergleichsweise normal, also 4.
  5. Von intensiven Außenreizen überwältigt. Beeindruckt, vielleicht. Genervt, sicher. Es kommt auf die Dauer an. Dieser Punkt wäre aus meiner Sicht auch der erste, der ein real existentes Phänomen der Hochsensibilität abfrägt. Ich nehme die 2.
  6. Oh, das reiche, vielschichtige Innenleben. Nein, das hab ich nicht. Kleiner Scherz. Natürlich haben wir das alle! Oder etwa nicht? Eine glatte 7.
  7. Menschen kommen mit ihren Problemen zu mir. Ja, aber eher, weil ich oft eine Antwort weiß und nicht, weil ich besonders gut zuhören kann. Also merken, was gesagt wurde, oder es gar verstehen. Trotzdem kommen sie zu mir, weil ich scheinbar ein bequemer Ansprechpartner bin, der nicht einfach widerspricht (bei Problemen) sondern Lösungsorientiert denke. Ich tippe eine 5 weil ich nicht glaube, das mit zuhören das gemeint ist, weswegen Menschen auf mich zukommen.
  8. Ich bin gewissenhaft. Kommt drauf an. Wenns um die Arbeit geht, sicher. Auch in manchen Spielen gehe ich gewissenhaft vor. Ich erlaube mir aber durchaus auch, mal fünf Gerade sein zu lassen. Haushalt? Eher weniger. Also eine 5.
  9. Durcheinander, wenn man in kurzer Zeit viel zu erledigen hat. Schwierig, weil es kommt drauf an, was das für Dinge sind. Beruflicher natur wird einfach priorisiert und dann sequentiell abgearbeitet. Wenn aber Arbeit, private Termine, Partner, Kind und alles irgendwie etwas unerwartet zusammen kommt, werde ich auch mal fahrig und verliere den Faden. Ich meine aber, das ist ein ganz normaler Vorgang der gar nicht im Zusammenhang mit HSP steht. Mein Urteil: 5.
  10. Ich erschrecke leicht. Woran soll ich das messen? Und wie soll ich die „Leichtigkeit“ des Erschreckens beurteilen? Denn erschrecken an sich tut sich jeder, und da es eine „Hab Acht“ Situation ist, wird man sich auch intensiv an Schreckmomente erinnern können. Im übrigen kann erhöhte Schreckhaftigkeit verschiedenste Ursachen haben (Traumata, Medikamente, Extrembelastungen, etc). Ich erschrecke vermutlich nicht mehr und nicht weniger als andere Menschen. Also eine 4.
  11. Überstimulation möchte man vermeiden und richtet sein Leben darauf aus. Nun, es gibt ganz normale Menschen, die einfach nur gerne ihre Ruhe haben. Ich gehöre dazu, und kenne genug, denen es genauso geht. Die möchten Einkäufe vor Feiertagen vermeiden, sie zwängen sich höchst ungern durch Jahrmärkte und Veranstaltungen, und „Spaß haben“ setzt keinen „Partyabend“ mit möglichst vielen Menschen voraus. Auch auf diese Personen würde dieser Punkt im hohen Maße zutreffen. Ich persönlich nehme eine 6.
  12. Kunst, Musik und Natur bewegen mich tief. Wie tief? Gemessen in Zentimeter oder was? Ebenso wie das „leicht“ erschrecken überlässt das „tief“ bewegen die Wertung dieser Adjektive dem Probanden. Und ich glaube jeder war schon einmal tief bewegt von Kunst, Musik oder Natur. Die Frage nach der Regelmäßigkeit wird hier aber außen vor gelassen. Ich kann da für mich nur eine 7 setzen, alles andere wäre glatt gelogen.
  13. Bemerken oder genießen von zarten, feinen Gerüchen, Klängen, usw. Dieses Merkmal ist ebenso zu bewerten wie der vorige Punkt. Zumal hier nach Sensorik gefragt wird, die man selbst weder objektiv noch subjektiv beurteilen oder vergleichen kann. Im Grunde muss auch hier jeder Mensch eine 7 eingeben, wie ich.
  14. Lärm ist mir unangenehm. Das ist das bislang absurdeste Merkmal in diesem Test. Lärm ist per Definition unangenehm. Sonst wäre es kein Lärm sondern einfach ein Geräusch. Besser wäre: „Laute Geräusche sind mir unangenehm.“. Wobei die Lautheit oft nur einen Teil der Wahrnehmung ausmacht. So unterscheidet man den Schalldruck (gemessen in dB) von dem subjektiven Geräuschempfinden (gemessen in Sone). Genauer genommen frägt dieses Merkmal also: „Unangenehme Geräusche sind mir unangenehm“. Eine solche selbstbestätigende/-bestärkende Aussage würde man in einem seriösen Test nicht finden. Tendentiell wird der Testteilnehmer hier also eine zu hohe Wertung abgeben. Ausgenommen Hörgeschädigte. Ich komme also nicht um eine 7 umhin. RUHE DA DRAUSSEN!
  15. Trubel regt unangenehm auf. Aufregen, okay. Aber was ist unangenehmes Aufregen? Gibt es auch angenehmes Aufregen? Dann wäre es eher: Erregen. Man vermischt also das unangenehme Gefühl eines Trubels mit dem Resultat, das es auslösen könnte, nämlich sich darüber aufzuregen. Trubel ist ohnehin negativ vorbelastet, der eine denkt an Weihnachtseinkäufe, der andere an Kindergeburtstag mit unbändigen, laut schreienden Kindern. Für mich eine 6 nur deswegen, weil ich nicht schon wieder eine 7 eingeben will und Trubel manchmal auch erfrischend sein kann.
  16. Ich bemerke mehr Feinheiten (in meinem Umfeld) als die meisten. Das dieses Merkmal speziell auf „mein Umfeld“ bezogen ist, fordert einen auf, sich nur mit Menschen aus dem persönlichen Umfeld zu vergleichen. Es liegt nahe, das man dann viel eher zu einem positiven Urteil kommt, auch wenn man im Durchschnitt völlig normalfühlig ist. Man findet auch viel leichter Beispiele, die diese Aussage bestätigen. So auch ich, deswegen vergebe ich eine 6.
  17. Ich scheine eher naiv (leichtgläubig) zu sein. Das Hochsensible allgemein als naiv gelten oder für naiv gehalten werden, wäre eine vollkommen neue Erkenntnis. Im Grunde kann dieses Merkmal aber auch nur für schlichte Naivität bis Dummheit stehen. Jeder kennt sicher diese Konversationen aus sozialen Netzwerken, z.b. der nicht besonders helle Mann, der für seine Freundin eine „Oberschiene“ (Aubergine) mitbringen soll und von seinen Freunden in den Baumarkt geschickt wird. Erstens passiert sowas jedem mal, und es ist auch nicht selten furchtbar peinlich. Man wird sich also leicht an Situationen erinnern können, wo man naiv war, und tendentiell überhöht werten. Andererseits balanciert die negative Konnotation von Naivität das Urteil vielleicht wieder aus. Dennoch, wer ehrlich antwortet, kommt wohl kaum auf eine Zahl unter 4. Für mich persönlich nehme ich eine 5.
  18. Weltschmerz. Oh, du grundgütig schmerzende Welt, warum hast du mir das angetan? Nunja, ich denke jeder kennt solche Phasen. Es ist wie bei den Wellen. Manchmal kommen einige Wellen so zusammen, das sie sich insgesamt zu einer Monsterwelle zusammenschließen, die sich aber irgendwann wieder von alleine verliert. So ist es auch mit Gefühlen und Erlebtem – manchmal kommt alles zusammen, und dann fällt man – scheinbar grundlos – in eine Phase von Weltschmerz. Hält diese Phase lange an oder kehrt immer wieder, sollte man schnellstens einen Arzt aufsuchen. Möglicherweise liegt eine Depression vor. Ich persönlich nehme eine 5, weil ich es gut kenne aber eher selten vorkommt.
  19. Es ist lästig, wenn verschiedenste Dinge gleichzeitig von mir verlangt werden. Hier ist nicht die Anzahl oder die Verschiedenheit ausschlaggebend, sondern die Gleichzeitigkeit. Es gibt nur wenige Menschen, die es als okay oder sogar positiv empfinden, wenn viele Dinge gleichzeitig von ihnen verlangt werden. Es wird aber nicht gefragt, ob es Stress und dergleichen verursacht, sondern ob uns das lästig ist. Also Müll rausbringen UND die Post aus dem Briefkasten holen UND Blumen giessen UND noch beim Rückweg ein Getränk aus dem Keller holen. Wer würde das nicht wenigstens ein bißchen lästig empfinden, wenn diese Aufgaben von einem verlangt werden? Denn das „verlangt werden“ impliziert, das man es nicht aus eigenem Antrieb tun würde. Sprich: auch hier der Probanden zu einer höheren Wertung animiert. Ich muss hier leider eine 7 hinstellen, weil ich ein großer Anhänger des „eins nach dem anderen“ Lebensmottos bin.
  20. Ich strenge mich an, keine Fehler zu machen, nichts zu vergessen. Ja, tue ich, klappt aber nicht immer so gut bzw. ändert nichts an dem Normalzustand. Ich mache nunmal Fehler, will sie aber nicht machen, deswegen arbeite ich beruflich sehr gewissenhaft (siehe Punkt 8). Vergessen will ich auch nichts, aber da vergessen menschlich ist, muss ich mich bei gewissen Dingen anstrengen, sie nicht zu vergessen. Und vergesse sie trotzdem. Für mich eine 6.
  21. Sehr hungrig zu sein wirkt sich stark auf die Konzentrationsfähigkeit oder Laune aus. An dieser Stelle macht sich der Test lächerlich. Wer kennt nicht das Kind, das sich nicht konzentrieren kann, oder scheinbar wegen kleinster Reize schreit oder weint? Dann fehlt entweder Schlaf oder Nahrung. Bei erwachsenen Menschen ist das kaum anders! Das ist eine derart banale Erkenntnis, die jeder bei sich nachvollziehen kann. Natürlich wird jeder Mensch dieses Merkmal eher positiv bewerten. Bei mir eine glatte 7.
  22. Mein Leben so einrichten, das sich überfordernde Situationen vermeiden lassen. Das ist in erster Linie schlichte Zeitplanung bzw. -management. In zweiter Hinsicht das vermeiden unangenehmer Menschen oder Situationen. Wer würde nicht lieber erst um 9 mit der Bahn/Auto fahren, wenn man dadurch dem Berufsverkehr ausweichen kann? Niemand will überfordert sein, dementsprechend machen wir zwangsläufig Dinge, die solche Situationen vermeiden. Auch mit diesem Merkmal soll offensichtlich das Testergebnis „nach oben korrigiert“ werden. Für mich auch eine glatte 7.
  23. Veränderungen im Leben bringen mich durcheinander. Was ist mit „durcheinander“ gemeint? Geht es hier um Zerstreuung oder doch um das allgemeine, diffuse, ängstliche Gefühl das sich in neuen, unbekannten Situationen stellt? Welche Art von Veränderung meinen wir? Warum denke ich z.b. sofort an den Tod eines Menschen, der mir Nahe steht? Vermutlich, weil impliziert wird, das die Veränderung von außen aufgezwungen wurde. Natürlich würde mich der Tod, oder viele andere, dramatische Geschehnisse (Einbruch, Arbeitgeber pleite, Partner verlässt mich) „durcheinander“ bringen. Also definitiv wieder eine 7.
  24. Unter Beobachtung werde ich nervös, so das ich schlechtere Leistungen bringe. Niemand fühlt sich wohl dabei, wenn er überwacht wird. Natürlich macht es einen Riesenunterschied, ob mir ein Kollege über die Schulter blickt, mit dem ich ohnehin tagtäglich zusammen arbeite, oder ob der Chef seine wöchentliche Visite macht während ich mich gerade bei strunzbanalem Programmieraufgaben zu Testzwecken verhaspele. Unter Beobachtung mag ich als „Informationsarbeiter“ gar nicht arbeiten, glatte 7.
  25. Als Kind dürften mich Eltern oder Lehrer für scheu oder sensibel gehalten haben. Ja was weiss denn ich, was Dritte über mich denken? Das ist perfide. Natürlich wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit erstmal annehmen, das dies wahr ist, weil man sich in Dritte gar nicht hinein versetzen kann. Es kommt also zum Zuge, was wir denken, was andere über uns denken. Und das ist tendentiell eher negativ. Zudem sind „scheu“ und „sensibel“ zwei verschiedene Attribute, man verdoppelt also die Wahrscheinlichkeit, das zumindest eine Aussage zutrifft. Dazu kommt, das Sensibilität zudem noch viel Interpretationsspielraum zulässt, von Feinfühligkeit über Empathie bis hin zur Überempfindlichkeit (Mimose). Für mich schon wieder eine klare 7.
  26. Ich träume oft bunt und intensiv. Also, auch das lässt viel Interpretationsspielraum. Immerhin mal ein Merkmal, wo jeder für sich das gesamte Spektrum von 1-7 frei ausspielen kann. Da ich selten Träume und mich noch seltener daran bewußt erinnere, vergebe ich hier meine erste 1.
  27. Mein Traumleben ist mir wertvoll. Wer das Merkmal zuvor hoch bewertet hat, wird auch dieses hoch bewerten. Ich frage mich aber, was die subjektive Einschätzung, ob einem seine eigene Traumwelt wertvoll ist, für eine Bedeutung für Hochsensibilität haben soll? Daher muss ich annehmen, das nicht Träume gemeint sind, sondern Träumereien (Tagträume). Unter diesem Gesichtspunkt wüsste ich nicht, wie man bewusst gesteuerte Tagträume als nicht wertvoll bezeichnen könnte? Da ich Tagträume oft, gern und intensiv betreibe, vergebe ich eine 6.
  28. Harmonie ist mir wichtig, Rückzug bei Konflikten. Das hat mehr was mit Durchsetzungsvermögen und Vermeidungsstrategien zu tun als Hochsensibilität. Mir persönlich ist Harmonie wichtig, und Konflikte mag ich gar nicht – außer, ich bin von etwas aber mal sowas von derart überzeugt, dass… Aber jetzt mal Hand aufs Herz: wer kennt nicht diese beiden Seiten an sich? Für mich mal eine 6.
  29. Bin ich mit meiner beruflichen Situation glücklich und zufrieden? Aber sicher doch! (7) Was diese explizit vom Testergebnis ausgeklammerte Frage hier soll, kann ich mir nur bedingt erklären. Evtl. will man hier Rückschlüsse ziehen, inwieweit bestimmte Testresultate Rückschlüsse auf die berufliche Zufriedenheit zulassen.

Wenn ich nun meine Eingaben abschicke, erhalte ich folgendes, sehr eindeutig klingendes Ergebnis:

Sie haben 254 Punkte

Punkteanzahl von 188 bis 300

Sie sind mit an Gewissheit grenzender Sicherheit eine HSP. Hochempfindlichkeit beginnt bei 163 Punkten. Je weiter Ihre Punkte-Anzahl über 200 liegt, umso mehr sollten Sie darauf achten, sich in kein Schneckenhaus zu verkriechen. Sie werden sicher noch glücklicher und leistungsfähiger sein, wenn Sie nicht versuchen zu leben wie ein nicht-HSP. Arbeiten Sie daran Wege und Möglichkeiten zu finden, um in einer Ihnen angenehmen Weise Kontakt mit der Welt zu halten. Die Welt braucht Sie und Ihre Empfindsamkeit. Sie sind eine Bereicherung. Ausführlichste Beschreibungen, aber auch viele hilfreiche Tipps, wie Sie mit dieser Anlage optimal umgehen können finden Sie auch in dem Buch „Zart besaitet – Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochempfindliche Menschen“, von dem Sie die ersten 4 Kapitel (von insgesamt 8) auf der Webseite des Verlages online probelesen können. Bitte bedenken Sie, dass weniger sensible Menschen sich ihre Wesensart genausowenig ausgesucht haben, wie Sie sich die Ihre. Hochsensible müssen darauf achten, geringere Sensibilität und das daraus entstehende Verhalten nicht als Rücksichtslosigkeit zu interpretieren. Unterschiedliche Wahrnehmungen und Bedürfnisse erschweren manchmal das Zusammenleben, aber sie können auch zu einer Bereicherung werden, wenn man sich gegenseitig verstehen und wertschätzen kann.

Überrascht hat mich das Urteil über mich, welches „mit an Gewissheit grenzender Sicherheit“ gefällt werden konnte. Hies es doch zu Beginn des Tests noch höchst relativierend:

Vorauszuschicken ist, dass der Test und die gesamte Forschung über hochempfindliche Menschen (HSP) noch in den Kinderschuhen stecken, und keine der hier gemachten Aussagen als autoritär zu verstehen ist. Ein oberflächlicher Test wie der vorliegende kann immer nur Anhaltswerte liefern und ist oft nicht fähig, auf individuelle Konstellationen einzugehen. (Für die Auswertung sind alle Fragen, bis auf die letzte, relevant.)

Dafür ist sich dieser liebe Herr Hochgesangsverein aber mit an Gewissheit grenzender Sicherheit höchst sicher und überzeugend. Ob das in Deutschland mit dem Heilmittelwerbegesetz vereinbar wäre?

HSP beginnt also schon ab 163 Punkten. Es dürfte nicht schwer fallen, sich auszumalen, das die Mehrzahl der Testteilnehmer die HSP Diagnose mit mind. 188 Punkten erhalten werden.

Als nächstes werde ich aufgefordert, nicht mehr so zu leben und zu tun, als wäre ich ein Nicht-HSP. Perfide wird unterstellt, ich wäre sonst weniger glücklich und weniger leistungsfähig. Suggestionsalarm!

Ich soll also an mir Arbeiten, Wege und Möglichkeiten finden. Wie praktisch, das der Verein gleich ein Buch zum Verkauf anbietet, und das im Ergebnis nicht nur anpreist sondern direkt verlinkt. Die kommerziellen Lebensberater stehen schon Parade für mich.

Anschließend werde ich aufgebaut, schließlich braucht mich die Welt und meine Empfindsamkeit und keinen depressiven Lackaffen, der nicht im geringsten daran denkt, das Buch zu kaufen.

Ich bin neugierig, und provoziere den Test zur Maximalpunktzahl (alles 7). Jetzt bin ich mit absoluter Gewissheit eine HSP. Ohne Zweifel …

Sie haben 336 Punkte

Punkteanzahl >= 300

Sie sind mit Gewissheit eine HSP. Und zwar eine mit besonders hoch ausgepräger Sensibilität. Möglicherweise haben Sie in manchen Bereichen, besonders in den zwischenmenschlichen, eine Extrem-Sicht der Dinge. Bitte bedenken Sie, dass weniger sensible Menschen sich ihre Wesensart genausowenig ausgesucht haben, wie Sie sich die Ihre. Besonders hypersensible Menschen müssen darauf achten, die geringere Sensibilität und das daraus entstehende Verhalten ihrer Mitmenschen nicht als Rücksichtslosigkeit oder gar als Bosheit zu interpretieren. Stark unterschiedliche Wahrnehmungen und Bedürfnisse erschweren das gegenseitige Verständnis und das Zusammenleben. Doch diese Unterschiede können zu einer Bereicherung werden, wenn man sich gegenseitig verstehen und wertschätzen kann. Trotz Ihrer sehr dünnen Haut ist es gerade für Sie wichtig, sich in kein Schneckenhaus zu verkriechen. Arbeiten Sie daran Wege und Möglichkeiten zu finden, um in einer Ihnen angenehmen und aufrechterhaltbaren Weise Kontakt mit den Menschen und der Welt zu halten. Die Welt braucht Sie und Ihre Empfindsamkeit ganz dringend. Sie sind eine Bereicherung. Ausführlichste Beschreibungen, aber auch viele hilfreiche Tipps, wie Sie mit dieser Anlage optimal umgehen können finden Sie auch in dem Buch „Zart besaitet – Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochempfindliche Menschen“, von dem Sie die ersten 4 Kapitel (von insgesamt 8) auf der Webseite des Verlages online probelesen können.

Neugierig, wie ich bin, provoziere ich das schlechteste Testergebnis (alles 1). Hier bekomme ich interessanterweise keine Punktzahl ausgegeben, aber dafür die gesamten sechs Beschreibungsblöcke von <= 136 bis hin zu >= 300 Punkten. Hier erkenne ich, das die vier Ergebnisblöcke ab 163 Punkten alle den Link zum Buch enthalten.

Wer aber offenbar keine HSP ist (<= 136 Punkte) wird wenigstens beglückwünscht, dass man sich für das Thema interessiert. Aber schon im zweitniedrigsten Ergebnisblock (137 bis 162 Punkte) wird versucht, das Ergebnis zu relativieren und Einfluss zu nehmen:

Menschen mit Testergebnissen in dieser (mittleren) Höhe haben oft, aber nicht immer, die Neigung, rücksichtslos zu sein. Sich selbst gegenüber, oder anderen gegenüber oder beides. Oft nur sich selbst gegenüber. Und zwar aus ideologischen Gründen. z.B. weil sie Empfindsamkeit ablehnen, da sie denken, Sensibilität schade dem Weiterkommen in der Welt und sie müssten daher sich selbst (oder andere) abhärten. Also eine ideologisch motivierte Rücksichtlosigkeit, die nicht aus einem Mangel an Empathie oder aus Egoismus entstanden ist, sondern aus den eigenen Überzeugungen, dass man sich selbst nicht verzärteln sondern abhärten soll.

Vielleicht hat man Fragen falsch interpretiert? Dann wird unterstellt, man sei mit hoher Wahrscheinlichkeit rücksichtslos, vor allem sich selbst gegenüber. Wie man zu dieser Aussage gelangen kann, ist mir vollkommen unbegreiflich. Weiter wird suggeriert, das man seine eigene Empfindsamkeit vielleicht doch nur unterdrückt.

Aus meiner Sicht eine perfide Taktik. Einerseits wird es manche Probanden animieren, den Test erneut durchzuführen, mit dann vermutlich „ehrlicherem“ Ergebnis. Ansonsten wird unterstellt, man sei ja ein (mit an Gewissheit grenzender Sicherheit?) rücksichtsloser Mensch.

Mir verschlägt es die Sprache. Ich hoffe inständig, das der Autor dieses Tests derart hochsensibel ist, das meine tagträumerischen Watschen links und rechts hinter die Ohren mit an Gewissheit grenzender Schmerzhaftigkeit zu spüren waren. Meinetwegen darf man mich deswegen als rücksichtslos bezeichnen, wenn es denn dazu dient, das weniger Menschen solch einen Psycho-Trick in Form eines Tests auch nur im Mindesten ernst nehmen.